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Ki und Kime

Der chinesische Begriff Qì, in Japan als Ki bekannt, ist ein zentraler Begriff des Daoismus und bedeutet Energie. Nach daoistischer Vorstellung durchdringt das Ki alles Existentielle und belebt es in Form eines Energieflusses. Die Beeinflussung und Kontrolle des Kis des Menschen versuchte man durch eine Vielzahl von Lehren und Techniken zu erreichen.

Wie kontrolliert man in den Kampfkünsten sein Ki?

Wer nicht weiß, was Ki (jap.) oder Qi (chin.) ist und wo er es findet, der kann es auch nicht kontrollieren. Um diese Energien zu spüren, haben unsere Vorfahren Atemübungen und verschiedene Meditationsformen entwickelt. Von wissenschaftlichen Studien weiß man heute, dass Mönche durch Meditation ihren Geist und ihre physischen Kräfte beeinflussen können.

Atemübungen helfen bei der Konzentration, der Schmerztherapie und natürlich auch bei den Übungen zu den Kampfkünsten. Mit den Techniken „soll das Ki/Qi fließen können“, indem die Muskeln und Gelenke möglichst entspannt sind und die Bewegungen locker und fließend ausgeführt werden. Man unterscheidet dabei die inneren Kampfkünste wie Taijiquan (Tai Chi), Qigong, Baguazhang und Xingyiquan, und die äußeren Kampfkünste wie z. B. Karate und Kungfu.

Die vorgegebenen Bewegungsabläufe und die Atemtechnik stimulieren bei den Kampfkünsten den Energiefluss des Ki über die Energiebahnen im Körper, die auch Meridiane genannt werden. Sie mehren das Ki oder die Ki Anreicherung im Körper. Auch die traditionelle chinesische Medizin basiert auf diesem Wissen und dem Konzept des Energieflusses. Um sein Ki zu spüren und später auch gezielt zu beeinflussen, muss der Karateka also zuerst zu dem Ursprung seiner Energiequelle stoßen. Mit gezielten Atemübungen spüren wir in der Körpermitte, dem sogenannten Hara, die Energie, die wir je nach Atmung in die Arme und Beine schicken können. Natürlich spielt unser Geist, unsere eigene Vorstellungskraft hier eine große Rolle. Das Zusammenspiel des Geistes und des Kis kann nur durch ständige Übung verinnerlicht werden.

Kime und Kiai – Anspannung der Kraft mit Unterstützung aus dem Hara

Kime ist die letzte Anspannung, wenn der Kampfkunstübende seine Technik ausführt. Beim Fauststoß zum Beispiel ist es das Einrasten der Faust kurz vor dem „Aufschlag“ auf das Hindernis oder den Gegner. Der Kiai ist der Kampfschrei, der die entwickelte Energie unterstützt. Betrachtet man sich die japanischen Wörter genauer, fällt auf, dass in den beiden Begriffen Kime und Kiai unser Ki steckt. Und genau mit diesem Ki erreichen wir die maximale Energie: Kime und Kiai – aus der Körpermitte!

Wer schon mal bei Yoga oder einer Meditation versucht hat, mittels seiner Gedanken die Energie in die Zehen, dann die Beine herauf und über die Fingerspitzen über die Arme zur Entspannung zu bringen, der kann das Prinzip auch in umgekehrter Weise anwenden. Nicht umsonst sagte der Begründer des Shotokan-Karate, O-Sensei Funakoshi Gishin: „Stelle dir deine Hand und deinen Fuß als Schwert vor.“ Das heißt, mit unserem Geist, der entsprechenden Übung sowie verschiedenen Atemtechniken setzen wir unsere Energien zielgerichtet und punktgenau ein. Das ständige Wiederholen einer Übung unterstützt den Übenden, sein Ki schnell und unbewusst einzusetzen. Er denkt nicht mehr darüber nach, sondern leert seinen Geist und konzentriert sich auf die Technik. Das Ki wird sozusagen irgendwann „automatisch“ fließen – genau dahin, wo der Kampfkunstübende es braucht.

Allerdings ist es einzig und allein die stete und jahrelange Übung am Makiwara die es dem Kampfkunstübenden im Laufe der Zeit erlaubt, sein Ki in eine Technik zu lenken und so zu übertragen.  Die Steigerung der Kraftentwicklung und deren Übertragung geht nur in winzigen Schritten voran und selbst nach Jahren der Übung kann der Fortschritt nur in kleinen Nuancen festgestellt werden, denn es geht dabei nicht nur um die rein körperlichen Aspekte, sondern die philosophischen Grundlagen des Budo und die psychische Verfassung des Übenden, spielen eine ebenso große Rolle.

Von ebensolcher Wichtigkeit ist das Verhältnis zwischen Spannung und Entspannung in der Technik und in der Ganzkörperbewegung. Nur wenn die Bewegungen in völliger Harmonie und aus der Hüfte gelenkter Entspannung erfolgen, kann das Ki entsprechend dieser Anfangsbewegung entwickelt und zielgerichtet gelenkt werden. Die Bewegung in möglichst entspannter Haltung ermöglicht die ebenfalls zur Ki-Übertragung erforderliche Geschwindigkeit.

Kommen all diese „Dinge“ zusammen entwickelt sich eben jenes Kime, das es manchen Meistern möglich macht(e), bis zu 20cm dicke Holzbretter mit der Faust oder dem Ellbogen zu durchschlagen und somit nahezu physisch „unmögliche“ Techniken zu entwickeln ohne sich dabei selbst zu verletzen, da die generierte Energie fast vollständig übertragen wird und dadurch kaum einen „Rückschlag“ auf den eigenen Körper, bzw. dessen ausführende Extremität, zulässt.

Ki–Arbeit – profitieren im Alltag!

Alle Übungen, die unser Ki beeinflussen, haben neben der Vervollkommnung unserer Technik auch einen tollen Nebeneffekt – sie sind gesund! Im Jahr 1973 wurden in dem Dorf Mawangdui, nahe bei Changsha, in einem Grab aus der frühen Han-Zeit mehrere Seidentücher gefunden. Sie waren teilweise mit historischen Texten wie dem Daodejing beschrieben und teilweise bemalt. Auf dem Schriftstück Daodejing, das Laotse zugeordnet wird, basiert wiederum die Lehre des Daoismus. Die Seidentücher sollen etwa 2500 Jahre alt sein.

Auf einem Teilstück sieht man 44 Menschen beim Ausüben verschiedener Atemtechniken und Dehnübungen des Körpers. Diese Übungen sind nach Tierstellungen benannt und/ oder den Krankheiten, denen sie entgegenwirken sollen. Mittlerweile haben auch die Ärzte im Westen herausgefunden, dass Meditationstechniken nachweislich Stress abbauen und die Konzentration fördern. Yoga, Tai Chi Chuan und Qigong wird von vielen als Prävention gegen Depressionen empfohlen und bei Schmerz und Angsttherapien eingesetzt.

Wer jetzt noch überlegt, ob Ki-Arbeit wirklich wichtig ist, der sollte auf sein „Bauchgefühl“ hören.  „Bauchgefühl“!, kommt das nicht auch aus der Körpermitte und wird mittlerweile auch im Management als guter Indikator für bessere Entscheidungen miteinbezogen? . . .

Doch wie gelangt man nun zu seinem Ki und wie kann man es durch die drei wichtigsten Übungskomplexe

  • Atmung
  • Gymnastik/Bewegung
  • Ernährung

nicht nur ausbilden, sondern auch nahezu kontinuierlich stärken?

Atmung

Die dafür erforderlichen Übungen werden dem Qigong zugeschrieben. Sowohl dem sog. „Stillen“ Jinggong, dessen Übungen nahezu ohne Körperbewegungen ausgeführt werden, als auch dem Donggong mit seinen körperlichen Bewegungen. Sie zählen zu den klassischen chinesischen Heilmethoden der Atemtherapie.

Natürlich ist es hierfür erforderlich sich nicht einfach nur ohne Anleitung mit seiner Atmung zu befassen, sondern sich gezielte Anleitung einer/s erfahrenen Lehrers/Lehrerin zu suchen.

Aber auch hier gilt: Prüfe, vorab worauf du dich einlässt. Nicht jedes „Studio“, jedes Yoga und/oder Qigong Angebot ist zwingend seriös. Man höre sich um und frage nach, bevor man sich einlässt…

Gymnastik/ Bewegung

Hier gilt es die Atmung kontrolliert und bewusst in die Bewegungen einfließen zu lassen und somit diese Bewegungen durch die Atmung zu steuern und zu unterstützen. Auch hier gilt es, sich nicht nur einfach einer Turn- oder sonstigen Sportgruppe anzuschließen und darauf zu hoffen, dass man nun mit durch die eigene Vorstellungskraft geprägten Atemübungen zum gewünschten Erfolg kommt. Grundsätzlich wäre jede asiatisch geprägte Bewegungsform geeignet. Solange es sich nicht um eine rein sportlich orientierte Gruppe handelt (Nicht weil es per se schlecht wäre!), in der die philosophischen und im besten Fall auch psychologischen Inhalte der jeweiligen Bewegungsform berücksichtigt werden.
Auch hier gilt: Erst prüfen und vergleichen, bevor man sich entscheidet.

Ernährung

Vorweg: Das jap. Schriftzeichen für Ki besteht aus zwei Komponenten. Zum einen das Zeichen für Reis und zum anderen für Dampf, Luft oder Energie. Früher beinhaltete es außerdem noch zusätzlich das Zeichen für Feuer. Die Bedeutung des Zeichens „Ki“ ist, dass über dem kochenden Reis dessen Energie in Form von Dampf aufsteigt, was wiederum bedeutet, dass das Zeichen nicht nur alle Energieformen beinhaltet, sondern auch für Bewegung und Veränderung steht. Das heißt nun nicht, dass man sich nur von Reis ernähren sollte (was wohl lt. neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auch nicht wirklich gesund ist), sondern erfordert zunächst ein gezieltes Nachdenken über sein eigenes persönliches Ernährungsverhalten.

Vermieden werden sollten Alkohol, Drogen, rotes Fleisch und sämtliche weiteren das Ki schädigende Lebensmittel (Schokolade usw.) . Überwiegend schonend gegartes Gemüse und Obst in ausreichender, und damit nicht übermäßiger Menge. Auch gelegentliche Rohkost ist empfehlenswert. Wenig Salz, jedoch auch gerne verschiedene Kräuter und Gewürze, ähnlich z.B. der vielfältigen Küche des indischen Subkontinents oder der des Mittelmeerraumes, da diese beiden Ernährungsweisen nach neusten Forschungen nicht nur zu den vielfältigsten, sondern auch mit zu den gesündesten zählen.

Es ist die Ausgewogenheit der Ernährung die zählt, denn nur durch diese bekommt unser Körper das was er braucht, um so zu „funktionieren“, wie wir uns das vorstellen und wünschen. Sicherlich fällt das gerade in der heutigen Zeit mit den vielfältigsten Verlockungen in jeglicher ernährungstechnischen Hinsicht nicht leicht und auch dem Verfasser dieser Zeilen gelingt es nicht wirklich immer, dies zu berücksichtigen…

Aber zunächst einmal ist es das verinnerlichte Streben nach dem Ideal das uns den Weg erst schwerer und dann irgendwann leichter macht.

Ki in der Technik – Kime

In den japanischen Kampfkünsten ist oft vom „Kime“ zu hören. Damit ist die Verwendung des eigenen inneren Kis in der äußeren, also körperlichen Technik gemeint. Es wird auch mit „Zentrum der Kraft“ oder „Brennpunkt“ übersetzt und meint das Zusammenspiel und die Wirkung der inneren, also geistigen und der körperlichen Kraft konzentriert in einer Handlung/ Technik. Es geht dabei also nicht nur um die reine „rohe“ Körperkraft/ Technik, sondern entspricht dem philosophischen grundsätzlichen Prinzip des Budo. Und hier nun treffen alle vorgenannten Übungen und deren Prinzipien zusammen: Geisteshaltung, körperliche Übung (inhaltlich der unabdingbaren Abhärtung zur Übertragung des Kime am Makiwara), Imagination, Atmung und Ernährung.

Emotionen in den Kampfkünsten

Entstehung, Ursachen und Umgang mit Emotionen in der Kampfkunst

Bereits das Wort Emotion selbst verrät, was es meint. Es leitet sich vom lateinischen Wort für Bewegung, bzw. dessen Bedeutung „in Bewegung sein“ ab, beschreibt also die Motive die uns Bewegung setzen.

Unsere Emotionen sind demnach so etwas wie der „Verwalter“ unseres innersten Inneren. Denn das Gehirn ist schon lange mit einer Emotion beschäftigt, bevor uns diese über unser Bewusstsein deutlich wird. Das liegt daran, dass Informationen über Außen- und Innenreize stets zuerst die mit der Emotionsverarbeitung befassten Gehirnregionen erreichen.
Erst im weiteren Verlauf erreichen die von unserem “ Verwalter“ ausgewählten Informationen die Teile unseres Gehirns, welche mit dem Bewusstsein zu tun haben. Was uns bewusst wird, ist somit immer stets von Emotionen beeinflusst. Das emotionale Gedächtnis wählt aus, welche Informationen ihm so wichtig erscheinen, dass sie überhaupt in unser Bewusstsein dringen.
Emotionen sind demnach auch wie ein „Pförtner des Bewusstseins“ zu sehen.
Sie lassen aus der immensen Masse der eintreffenden und unbewusst genutzten Informationen vor allem andern hauptsächlich diejenigen in unser Bewusstsein eindringen, die zu den in uns momentan vorherrschenden Emotionen passen und daraus begründet voraussichtlich spezielle Aufmerksamkeit verdienen. Im Prinzip lenken uns unsere Emotionen und das Bewusstsein „rennt“ hinterher.
Es klinkt sich entweder in die bereits vorherrschende Emotion ein, oder es bremst diese aus und lenkt sie in andere Bahnen. Vor-entschieden und/ oder Vor-bewertet wird, als zeitliche Abfolge betrachtet, also immer zuerst emotional. Der Verstand liefert im Nachhinein lediglich die auf seiner Erfahrung beruhenden logischen Erklärungen.
Das Fazit daraus lautet:
Unser Verhalten, unserer Handlungen sind im Grunde bereits emotional gesteuert, lange bevor wir überhaupt in der Lage dazu sind darüber nachzudenken.
Vom Umgang mit unseren Emotionen hängt es ab, wie gut wir unsere geistige Leistungsfähigkeit nutzen können. Wer mit seinen Emotionen umgehen kann, ist z.B. weniger aggressiv im negativen Sinne und dadurch auch weniger selbstzerstörerisch in der Innenwirkung, hat eine deutlich größere Frustrationstoleranz und wird mit Stress besser fertig.
Ohne Emotionen würden wir jedoch auch keine Lebensfreude empfinden, wären teilnahms- und antriebslos. Emotionen unterstützen das Merken von Dingen und geben den zu merkenden Dingen eine Wertigkeit. Sie unterstützen unsere nicht-sprachliche Kommunikation (Körpersprache !), lösen Handlungen und bestimmtes Verhalten aus.
Emotionen und ihre Wirkungen auf uns

Unter den Emotionen haben einige positive, andere negative Wirkungen. Positive oder angenehme Emotionen machen die Körper- und Lebensenergien verfügbar. Negative verbrauchen bzw. blockieren diese.

Emotionen mit positiven Auswirkungen sind z.B.:

Die Emotion der „Freude“/des „Glücks“

Diese hemmt negative Gefühle, steigert die zur Verfügung stehenden Energien und
stärkt die Bereitschaft Ziele anzustreben

Die Emotion der „Liebe“

Sie erzeugt einen Zustand der inneren Gelassenheit, lässt uns zufriedener sein und erleichtert den Umgang mit den Dingen und Begebenheiten die uns belasten
Emotionen mit negativen Auswirkungen sind z.B.:

Die Emotion der „Angst“

Diese Emotion engt nicht nur die Konzentration auf die voraussichtliche oder
offensichtliche Gefahr ein, sondern sie verhindert auch das zur bewussten Handlung zwingend erforderliche unbewusste kreative Denken und kann uns damit in
unseren bewussten Aktionen behindern.

Die Emotion der „Trauer/Enttäuschung“

Diese lässt uns lässt weniger Begeisterungsfähig sein, hemmt uns in der Empfindung
positiver Emotionen, lässt uns Antriebslos und bisweilen auch gleichgültig uns selbst
und gegenüber Anderen werden.

Die Emotion des „Zorns“/ oder, darüber hinausgehend, die der „Wut“

Diese Emotion erzeugt, ohne sich darin geübt zu haben, eine oftmals über das
Bewusstsein kaum zu beherrschende Energie.
Die Intensität der Emotionen

Schwach ausgeprägte Emotionen, die uns oft unbewusst, weil alltäglich sind, können in uns ungewollte Reaktionen und Verhaltensweisen auslösen, denen wir dann zwar zumeist sogar selbst mit Verständnislosigkeit gegenüber stehen, uns jedoch danach fast immer nach (und oft auf sog. dünnem Papier geschriebenen…) Rechtfertigungen für unser emotional bestimmtes Handeln suchen lassen.
Starke Emotionen, verdrängen und überlagern das bewusste Denken, so daß diese Emotionen in der Lage sind, in uns ungezügelte und besonders kraftvolle Reaktionen auszulösen und uns „blind“ und völlig unkontrolliert handeln lassen können.
Emotionen verstehen und deren Kraft und Energie richtig einsetzen

Wer seine Emotionen versteht, sie beherrschen und durch entsprechende Übungen diese in den unterschiedlichsten Situationen sogar gezielt hervorrufen kann, kommt für sich selbst betrachtet zumeist eindeutig etwas leichter durchs Leben. Allerdings muss man sich auch darüber im Klaren sein, daß man sich damit zum sog. Selbstschutz bisweilen einen sich auch verselbständigenden Mechanismus aneignet, der es den Menschen um uns herum oftmals mehr als schwierig macht, unsere „selbstbeherrschte“ Art und Weise, selbst mit den doch offensichtlich stark emotional besetzten Situationen umzugehen. Es kann und wird bisweilen als arrogant oder gar als gefühllos angesehen, obwohl dies nicht im Mindesten so ist. Sondern für einen Menschen, der nicht gelernt hat seine Emotionen in allen nur erdenklichen Situationen des Lebens zu beherrschen, zu kontrollieren und immer nur gerade soviel davon zu- und nach außen dringen zulassen wie er in diesem Moment „verkraften“ kann, einfach nicht zu erkennen ist, daß der „Beherrschte“ dennoch seine Emotionen genauso spürt und erlebt wie er selbst.
In bestimmten, zumeist in den sog. „gehoben Gesellschaftskreisen“ ist es z.B. auch heute noch üblich, den Kindern von klein auf beizubringen, möglichst in jeder Situation die „Contenance“ zu bewahren. Der Begriff meint damit, selbst in schwierigsten Situationen die erforderliche Gelassenheit und Besonnenheit zu bewahren. In der Kampfkunst ist die Emotionskontrolle, das „bewahren der Contenance“ daher unumgänglich. Es kann im Kampf taktische Überlegenheit verschaffen und dadurch unsere eigenen Handlungen deutlich effizienter machen.
Bevor wir jedoch in die „Arbeit der Emotionskontrolle“ einsteigen, sollten wir in der Lage sein, unsere Emotionen und Gefühle, auch die Unangenehmen durch Übung bewusst zu empfinden, zu benennen und vor allem zu akzeptieren.
Bei den Übungen, bei denen wir mit bewusster körperlicher Aktion auf unsere Emotionen reagieren und einen Übungspartner haben, ist es von äußerster Wichtigkeit besonders verantwortungsvoll mit seinen Techniken umzugehen.
Im ersten Übungsteil geht es zur Einführung um das bewusste Erleben positiver Emotionen und deren Einsatz und Nutzung während einer körperlichen Aktivität (Kata, Kihon-Übungen).
Erst im zweiten Teil geht es um das bewusste Hervorrufen „negativer“ Emotionen und der kontrollierten Nutzung der darin enthaltenen „gewalt“-igen Energien, wiederum innerhalb körperlicher Aktivität (Kata, Kihon- und Partnerübungen).
Umgang mit Emotionen

Sowohl Positive, als auch negative Emotionen können wir in uns z.B. zur Leistungssteigerung und zur Eigenmotivation erzeugen (und dadurch kontrollieren lernen !), indem wir frühere Erlebnisse mit vergleichbar durchlebten Emotionen mit einbeziehen.
In der Schauspielkunst gibt es eine ähnliche Methode, die unter dem Begriff „Methode acting“ bekannt ist und von vielen erfolgreichen Größen des Geschäfts so gut praktiziert wird, daß sie dadurch nicht nur enorm erfolgreich wurden, sondern daß man ihnen die in ihren jeweiligen Rollen dargestellten (nicht gespielten !) Personen als absolut authentisch abnimmt.
Durch diese Art der Emotionserzeugung und der damit verbundenen Kontrolle, kann man sich quasi in die Person „verwandeln“, die man der Situation entsprechend sein will oder muss.

Will man also einen „Bösen Menschen“ darstellen, so darf man nicht nur so tun, als wäre man böse, sondern man muss es in diesem Moment, jedoch unter absoluter Eigenkontrolle, auch wirklich sein.

Sieht man sich, z.B. durch einen tätlichen Angriffs selbst gezwungen ebenfalls aggressiv (das kommt vom lat. aggredi und bedeutet herangehen, angreifen…) zu handeln, so muss man dann logischerweise auch zu einer solchen Person werden, und darf auf keinen Fall so tun, als ob man nur solch eine Person wäre oder sein könnte.
Ein erfahrener Angreifer erkennt auf Grund seiner „Kenntnisse“ sofort, ob er es mit jemandem zu tun hat, der ihm ein leichtes Spiel erlaubt ( weil er nur so tut als ob ) oder der ihm selbst gefährlich werden könnte.
Es geht also darum, nicht nur so zu tun als ob man gefährlich wäre, sondern man muss dies in diesem Augenblick wirklich und ohne jegliche Kompromisse, d.h. mit völliger innerer Bereitschaft, auch sein.
Positive Emotionen dienen, solange sie noch von uns beherrschbar sind, sowohl unserer physischen als auch unsere psychischen Gesundheit und steigern unsere Lebensfreude.
Daher sollten wir diese Emotionen möglichst lange in uns nachwirken lassen.
Verbinden wir diese positiven Emotionen z.B. mit Photographien, mit besonderen Erlebnissen oder Personen, mit Gerüchen, mit Geräuschen und/oder Farben, dann haben wir Ansatzunkte um diese Emotionen erneut in uns aufleben zu lassen und deren positiven Energie für uns zu nutzen.
Positive Emotionen können jedoch z.B. auch von Übermut begleitet sein. In einem solchen Fall sollten wir möglichst beherrscht bleiben, um keine gegenteiligen Emotionen zu erzeugen und/oder negative Auswirkungen zu verursachen.

Negative Emotionen wie Trauer, Zorn/Wut und Angst signalisieren uns, daß gerade eine
(Lebens-)Situation nicht nach unseren Vorstellungen und Wünschen entsteht oder entstanden ist.
Daher ist es besonders wichtig diese negative Emotionen auf gar keinen Fall durch Rechtfertigung, Schuldsuche oder Schuldzuweisung zu verstärken. Sie könnten sich dabei so stark aufschaukeln, daß deren Kontrolle, sofern wir dies nicht wirklich gelernt haben, nahezu unmöglich wird.
Entfernen wir uns (möglichst augenblicklich) vom Ereignisort, Atmen wir mehrfach bewusst und tief durch und beruhigen damit unser „Innerstes“, können wir eine Abschwächung dieser negativen Emotionen bewirken
Durch die in unserer eigenen Vergangenheit erlittenen, meist inneren, „Schäden“ und „Verluste“, und/oder durch das Erleben dramatischer Ereignisse, können wir mit den damit verbundenen (und uns innewohnenden) negativen Emotionen nur dann etwas bewirken, wenn wir in der Lage sind, diese Emotion gezielt in uns hervorzurufen, uns deren Energie ebenso zu Nutze machen wie die der positiven Emotionen und z.B. gezielt in eine Technik zu lenken.
Dazu bedarf es jedoch „Just in Time“ eines absolut klaren Verstandes. Ein Verstand der in der Lage ist, diese negativen Emotionen augenblicklich hervorzurufen, in konstruktives Handeln umzusetzen, und danach wieder dort zu „parken“ wo sie normalerweise in uns verweilen.
Stark wirkende Emotionen

Starke Emotionen können uns zu ungezügelten, impulsiv gesteuerten, und dadurch unangemessenen und überzogenen Reaktionen, den sog. „Kurzschlusshandlungen“, veranlassen.
Sie sind in der Lage die Realisierung des angestrebten Zieles verhindern, schränken uns in der Fähigkeit zur Konzentration ein, blockieren das unbewusste Gedächtnis welches wir zum Abrufen unserer körperlichen Reaktionen und Aktionen zwingend benötigen und verhindern das klare und logische Denken.
Um unsere geistige und körperliche Leistungsfähigkeit nutzen zu können, müssen wir unsere stark auftretenden Emotionen unbedingt beherrschen lernen.

Budo, der Weg des Kriegers.

Der Begriff Budo wird leider in den modernen Kampfsportarten nur allzu oft als hohle Worthülse verwendet und in Bezug zum reinen Wettkampfsport gesetzt.

Wettkampf-Kampfsport, der ja per se nicht als schlecht zu bezeichnen ist, selbstverständlich jegliche Berechtigung hat und m.E. auch einen deutlich höheren Stellenwert in sich trägt, als so manch andere „Wettkampfsportart“, ist jedoch mit dem Begriff Budo für die japanischen Kampfkunstmethoden nicht wirklich gleichzusetzen. Wettkampfsort, der voraussetzt, dass man sich mit einem anderen im sportlichen Wettkampf misst um am Ende einen Sieger zu küren, ist vom wahren Geist des Budo nicht durchdrungen. Seine Zielsetzung ist daher eine gänzlich andere.

Budo beinhaltet nicht nur das Bujutsu, sondern in Anlehnung und Verbindung zum Zen auch einen ethischen und geistigen Teil in gegenseitiger Ergänzung. Budo bedeutet für den sich darin Übenden eine lebenslange Aufgabe zur Selbsterkenntnis, ein immerwährender Kampf gegen sich selbst, aus dem heraus sich die eigene Persönlichkeit und Reife entwickelt. Hierzu bedarf es der Auseinandersetzung mit dem eigenen Ego, dem „inneren Schweinehund“, mit der intensiven Auseinandersetzung der in uns wohnenden, nur allzu menschlichen tiefen Urangst vor dem Tod, der philosophischen Betrachtung des Lebens und den damit einhergehenden psychologischen Aspekte.

Die harte methodische Übung gegen sich selbst ist Mittel zum Zweck, die eigenen physischen und psychischen Grenzen immer wieder herauszufordern, nicht nachzulassen um sich dadurch einen klaren Blick auf sich selbst zu erarbeiten.

Erkenne zuerst dich selbst, und dann den Anderen !

Das ist einer der wichtigsten Leitsätze des Budo und sollte sich selbst von jedem Budoka immer wieder vor Augen geführt werden.

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Die Verantwortung des Budoka

Die Kunst des Budo, gleich welcher Art oder Stilrichtung, beinhaltet und bedingt verschiedene Formen der Verantwortung.

Ein Lehrer des Budo ist nicht der Einzige, der gegenüber der durch ihn vermittelten Kunst Verantwortung trägt, jedoch ist die von ihm zu tragende Verantwortung anders zu sehen als die eines Schülers.
Gleichwohl trägt dieser, sobald er sich entschlossen hat, sich einer Schülerschaft des Budo anzuschließen (und diese ihn aufgenommen hat!) ebenso bereits eine gewisse Verantwortung.
Und zwar sich selbst, den Fortgeschrittenen und dem Lehrer gegenüber.
Sich selbst, weil er sich dazu bereit erklärt, einem bestimmten Weg, beginnend mit dem Erlernen der vorgegebenen Übungen, zu folgen.
Dafür, dass er aufmerksam den Erklärungen zu den Übungen folgt, dass er sich diese nach bestem Verständnis einübt, Nichtverstandenes nachfragt und die vorgegebenen Übungen ohne zu hinterfragen ausführt.
Er trägt Verantwortung dafür, dass er allen anderen gegenüber zeigt, dass er ein verlässlicher Teil dieser Gruppe ist und sich stets bemüht sein Bestes zu geben.
Insbesondere gerade dann, wenn er an für ihn noch schwierigen Übungen zu „verzweifeln“ scheint, Geduld und Vertrauen in die ihn Lehrenden, die Bereitschaft zum ständigen Lernen und Verbessern. Er zeigt Aufmerksamkeit, wenn ihn die Fortgeschrittenen oder der Lehrer verbessern und beweist dies durch die verbesserte Übung, denn er weiß, dass er nur wahren Fortschritt erreichen kann, wenn er so seine Dankbarkeit ausdrückt.
Er zeigt sich diszipliniert, auch durch die regelmäßige Teilnahme am Training, er ist stets pünktlich und zuverlässig und erstrebt eine vorbildliche Haltung, zu welcher auch gehört, dass er z.B. das Kommentieren von Unverstandenem unterlässt.
Je weiter er in seiner Kunst voranschreitet, je weiter er sich vom Stand des reinen Anfängers entfernt, umso mehr steigert er seine Bemühungen darum, ein Budo-Ka zu werden. Er versteht im Laufe der Zeit immer mehr, was es bedeutet, einer Budo-Gemeinschaft anzugehören und sein Bestreben, ein verlässlicher Teil dessen zu sein, lässt nicht nach.
Hat er die Unterstufe verlassen und ist mit Erreichen des 2.Kyû in die Oberstufe eingetreten, hat er bereits verstanden, dass die Prinzipien und Grundregeln des Budo auch aus seinem Alltag nicht mehr wegzudenken sind, denn sie unterstützen ihn dabei, dort mit selber Intensität, Aufmerksamkeit und Geisteshaltung, zumindest einen Teil seine Probleme im Alltag lösen zu können, bzw. sich darin zu üben, diese zu lösen.
Erreicht er nach langer Zeit der Übung den 1. Kyû hat er die höchste Stufe der fortgeschrittenen Farbgurtschülerstufe erreicht. Er ist Vorbild für alle niedrigeren Kyû-Grade, Mittler zwischen den Dan-Trägern und den Schülern, so wie diese Mittler zwischen den Schülern und dem Sensei sind.
Er hat in langen Jahren der Übung gezeigt, dass er all die wichtigen Inhalte verinnerlicht hat und ist bereit, die nun anstehende und größte Herausforderung eines Schülers anzunehmen.
Er stellt sich damit den wohl schwierigsten Aufgaben, die ein Schüler der Farbgurtstufe des Budo gestellt bekommt, mit Freude anzunehmen. Auch und gerade weil er weiß, dass die Schwarzgurte und insbesondere der Sensei es ihm nicht wirklich leicht machen werden.
Er zeigt durch sein Verhalten, seine Bereitschaft direkte Verantwortung für andere Schüler zu übernehmen, dass er nicht nur die technischen Voraussetzungen dafür gemeistert hat, sondern insbesondere auch, dass er sich um die philosophischen, psychologischen Inhalte bemüht und sucht diesbezüglich von sich aus das Gespräch mit den Schwarzgurten und dem Sensei.

Hat er es dann nach weiterer langer und schwieriger Zeit der Übung durch konsequentes Verhalten und Üben, durch beständiges an sich Arbeiten und Einbringen in die Gemeinschaft geschafft, den Schwarzgurten und dem Sensei zu zeigen dass er nun bereit ist, durch Hingabe an die Kunst den Geist des Budo zu erfahren, ist die Zeit gekommen, dass ihn der Sensei in den Kreis der Schwarzgurte aufnimmt. Sei es durch eine Prüfung oder, weil der Sensei um die Qualitäten des Schülers weiß, durch Ernennung.
Trägt er dann seinen ersten Schwarzgurt -zu Recht- mit etwas Stolz, anerkennt und zeigt er weiterhin durch sein Verhalten, dass er bereit ist, auch weitergehende Verantwortung für die Gruppe zu übernehmen und weiß, dass nun die eigentlichen „Lehrjahre“ beginnen.
Er übernimmt dabei auch Teile der Trainingsführung, hilft bei der Organisation z.B. von gemeinsamen Unternehmungen, Trainingslagern und ist jederzeit Ansprechpartner für die Farbgurtschülerstufen.

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